Arginin & Stickstoffmonoxid

ZUSAMMENFASSUNG:

  • L-Arginin ist die natürliche Vorstufe des lebensnotwendigen Signalmoleküls Stickstoffmonoxid
  • Stickstoffmonoxid verhindert arteriosklerotische Gefäßverschlüsse
  • Stickstoffmonoxid hält Herz-Kreislauf- und Gefäßsystem vital
  • Wirksam wird L-Arginin durch die Bildung von Stickstoffmonoxid
  • Stickstoffmonoxid-Bildung definiert die Gefäßgesundheit
  • Der Gesundheitsgegner ADMA verhindert die Stickstoffmonoxid-Bildung

—————————————————————————————————————————————–

Blut: Treibstoff des Lebens

Der menschliche Quellstrom Blut durchfließt unseren Organismus auf einer Länge von 90.000 km. Blut sorgt dafür, dass alle Organe funktionieren und der Körper agil, leistungsfähig und gesund bleibt. Damit dies reibungslos und zufrieden stellend gelingt, muss dem Körper ausreichend Arginin zur Verfügung stehen.

Die Vorstufe von Stickstoffmonoxid

Biokosmos MenschArginin ist die Vorstufe von Stickstoffmonoxid (NO), einem unverzichtbaren Botenstoff, der ganz automatisch während der NO-Synthese entsteht. Für den Körper besitzt NO eine zentrale Bedeutung:

  • NO weitet die Adern,
  • NO hält das Gefäßsystem geschmeidig,
  • NO reguliert den Blutfluss und Blutdruck,
  • NO erleichtert die Herztätigkeit,
  • NO verhindert, dass Thrombozyten mit der Arterienwand verkleben.

Mit anderen Worten: NO beugt arterioskle-rotischen Gefäßverschlüssen vor und trägt so wesentlich zur Gesundheit bei. Ein Mechanismus, der im Übrigen noch nicht lange bekannt ist und dessen Entdeckung mit dem Nobelpreis für Medizin honoriert wurde. 1998 erhielten die US-Amerikaner Robert F. Furchgott, Louis J. Ignarro und Ferid Murad die Auszeichnung „Für die Erforschung der Wirkungen von Stickstoffmonoxid als Signalmolekül im menschlichen Herz-Kreislauf- und Gefäßsystem“.

Achtung! Explosive Mechanismen

Doch es gibt noch eine andere Verbindung zwischen Arginin und Alfred Nobel, dem Nobelpreis-Stifter und Erfinder von Dynamit – jenem Sprengstoff, der auf der chemischen Verbindung Nitroglycerin beruht. Indirekt steht diese in einem Zusammenhang mit der Entdeckung von Arginin, denn Nitroglycerin setzt NO frei! Nobel litt unter einer Herzkrankheit, sein Arzt verschrieb ihm Nitroglycerin, dessen „explosive Wirkung“ im 19. Jahrhundert als Medizin eingesetzt wurde (wenngleich man um die Rolle von Arginin zu der Zeit noch nicht wusste). Durch die Freisetzung von NO öffnen sich die Blutgefäße sehr rasch ziemlich weit, Herzschmerzen (bspw. verursacht durch Angina pectoris) verfliegen. Biochemisch sind Stickstoffmonoxid, Arginin und Nitroglycerin eng verwandt, wie ein Blick auf die Strukturformeln offenbart: Stickstoffmonoxid: NO, Arginin: NO2, Nitroglycerin: NO3.

Das Zusammenspiel von Arginin und Stickstoffmonoxid
Die Betrachtung der primären Funktionen von Arginin zeigte zweierlei. Erstens ist die Aminosäure für die Erweiterung der Blutgefäße und damit für die Regulation des Blutflusses und des Blutdrucks unverzichtbar; zweitens und darauf aufbauend senkt die Arginin-Zufuhr das Arteriosklerose-Risiko. Ursächlich dafür ist die NO-Synthese, bei der aus Arginin Stickstoffmonoxid (NO) gebildet wird.

NO-Synthese: Schutzmechanismus vor Arteriosklerose

Die NO-Synthese findet in den Blutgefäßen – hauptsächlich in der innersten Zellschicht, dem Endothel – in einer mehrstufigen Oxidationsreaktion durch die Aktivität des Enzyms NO-Synthase statt. Dabei gilt:

  1. Ausreichende Arginin-Zufuhr, gelingende NO-Synthese: NO verhindert, dass korpuskuläre Bestandteile des Blutes und der Arterienwand in Wechselwirkung treten. So hemmt NO die Adhäsion und Aggregation von Thrombozyten und reduziert das Verkleben von Leukozyten. Allesamt Vorgänge, die am Anfang der Entwicklung einer Arteriosklerose stehen.
  2. Mangelhafte Arginin-Zufuhr, ungenügende NO-Synthese: Entkoppelung der NO-Synthase ist wahrscheinlich. Dabei geht die Fähigkeit des Enzyms, NO zu produzieren, verloren. Stattdessen resultiert die Oxidation in der Bildung hoch reaktiver und zelltoxischer freier Sauerstoffradikale. Diese beschleunigen das Fortschreiten arteriosklerotischer Erkrankungen.

Physiologische Wirkungen von Stickstoffmonoxid

Die intakte NO-Bildung stellt einen wichtigen Schutzmechanismus vor Arteriosklerose dar. En detail besitzt Stickstoffmonoxid damit folgende Vorteile:

  • NO fördert Gefäßweitstellung
  • NO hemmt Anhaftung von Thrombozyten
  • NO vermindert Aktivierung weißer Blutkörperchen
  • NO begrenzt Wachstum glatter Muskelzellen
  • NO reduziert Sauerstoffradikale
  • NO dezimiert toxische Cholesterinprodukte

Physiologische Wirkungen von Arginin

ADMA-Werte sind Risiko-Werte

Damit der Organismus von NO profitieren kann, muss der Arginin-Spiegel im Gleichgewicht sein. Ist das nicht der Fall, wird die NO-Synthese beeinträchtigt und das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten wie Arteriosklerose gesteigert. Inwiefern dafür ein individuelles Risiko besteht, zeigt der persönliche ADMA-Spiegel. Als „Gesundheitsgegner“ blockiert die körpereigene Substanz ADMA („asymmetrisches Dimethylarginin“) die NO-Synthese. Hohe ADMA-Werte verweisen dabei auf eine geringe Stickstoffmonoxid-Bildung – also auf einen Mehrbedarf für Supplementierungen mit diätetischem Arginin.

Aktuell:

Interview mit  Professor Dr. med.  Rainer H. Böger

„Medizin aktuell“